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  • #yourberlinagent by Peter Rabitz

Im Gespräch mit dem Teppichdesigner JAN KATH in seiner Heimat Bochum - by Melanie Marten



DER MEISTER der Teppiche Jan Kath lud Architekten, Designer und weitere Freunde des Hauses zu seinem alljährlichen ‚A Family Affair’-Event in den Showroom nach Bochum.

In dem Kreativzentrum werden auf 1.300 m² die wertvollen, handgefertigten Kreationen des Familienunternehmens an schwebenden Wänden unter alten Stahlträgern und Lastkränen präsentiert. In Workshops bringt das Team die Unternehmenswerte und die Handproduktion der Teppiche näher. Bei der anschließenden Party feiert die Branche ausgelassen unter alten und neuen Freunden. Wir hatten die Möglichkeit, uns in der lockeren Atmosphäre mit Jan Kath zu unterhalten:

Polonaise ist deine aktuellste Kollektion, eine Reminiszenz an die antiken Teppiche vom polnischen Hof, von denen nur noch rund 200 Stück weltweit erhalten sind.

Es ist eine Entwicklung, an der ich schon seit zwei Jahren arbeite. Grundlage sind Motive aus Teppichen, die einst im Polnischen Königshaus lagen. Im 17. Jahrhundert bestellte der polnische Adel, unter ihnen Prinz Wladyslaw Czartoryski, in Isfahan Teppiche. Sie sollten zwar höchste Qualität haben, aber nicht nur orientalisch aussehen. Vielmehr sollten europäische Elemente in die Arbeiten einfließen.


Mit der Kollektion Polonaise rekonstruiert Jan Kath weltberühmte Teppichmotive aus Polnischen Adelshäusern

Das Resultat war eine Synthese aus Orient und Okzident.

Heute gehören die wenigen verbleibenden Teppiche aus dieser Zeit zu den teuersten Antikstücken, die es gibt; werden zum Beispiel in der Eremitage in Sankt Petersburg ausgestellt. Auf den ersten Blick erscheinen die Teppiche persisch. Aber wenn man in die Designs reinzoomt, entdeckt man dort christliche Elemente, zum Beispiel Kreuze, aber auch eine Königs-Krone oder eine Tiara.

Das Salon-Wohnen ist zurück in der Architektur – Großzügige Wohnbereiche mit angeschlossener, offener Küche, ideal um Gäste zu bewirten.

Die Kollektion Polonaise würde in so einem Ambiente besonders gut wirken. Aber im Grunde eignet sich jede Kollektion, schließlich sind die Geschmäcker verschieden. Wir haben aktuell ungefähr 30 verschiedene Kollektionen auf dem Markt. Fast alle Designs funktionieren auch in einem größeren Bereich.

Zu einem größeren Wohnbereich gehört auch ein größerer Teppich. Oder nicht immer?

Doch schon. Die meisten Teppiche, die hier in unserem Showroom hängen, sind 2,5m x 3m groß. Also 7,5 m². Das ist unsere Präsentationsgröße – die Teppiche lassen sich aber komplett konfigurieren. Größe, Materialzusammensetzung, Farben, Knotendichte und Design, alles kann individuell nach Kundenwünschen angepasst werden. Allerdings dürfen die Kunden nie vergessen, dass sie auf einen besonders großen oder sehr schmalen langen Teppich auch länger warten müssen, als auf einen kleineren. Ein Teppich wie er hier hängt, mit 7,5 m², braucht mindestens drei bis vier Monate reine Produktionszeit.

Kaufen die Kunden eher direkt oder schicken sie den Innenarchitekten?

Das ist von Kultur zu Kultur unterschiedlich. In Amerika würde niemand privat in unseren Laden in New York gehen und so viel Geld ausgeben. Dort geht alles über Designer, Architekten – über einen Experten, eine Expertin. In Europa ist es immer noch so, dass sich viele Menschen privat mit der Gestaltung ihrer Wohnung auseinandersetzen.

Das besonders wohnliche Raumgefühl kommt zurück und verdrängt derzeit den minimalistischen Skandi-Chic in Deutschland.

Der Teppich bekommt wieder eine neue Bedeutung. Vielleicht auch, weil wir uns in der heutigen Zeit alle nach mehr Wärme sehnen. Wer bei der Einrichtung seiner neuen Wohnung einen Teppich vergisst, der wird eines Abends auf dem Sofa sitzen, auf das Parkett oder den polierten Steinboden schauen und sich wundern, warum er sich nicht richtig zu Hause fühlt.

Es gibt Jan Kath-Showrooms weltweit. Dieser hier ist der größte mit einer Auswahl von aktuell über 4.000 Designs.Unsere Kollektionen haben alle eine andere Handschrift, einen anderen Charakter und erzählen eine andere Geschichte. Wir bedienen international verschiedene Kulturen und Einrichtungswünsche und beschäftigen an drei Standorten in Nepal, Indien und Thailand über 2.500 Menschen in der Produktion.

Wie entstehen die Teppich-Trends die du international setzt?

Die meisten Inspirationen finde ich auf meinen Reisen. Ich bin rund die Hälfte des Jahres in der ganzen Welt unterwegs und sauge Eindrücke auf, wie ein Schwamm. Das kann der Blick aus einem Flugzeug auf den Regenwald sein, ein Fußballspiel, das ich im Fernsehen sehe oder die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Oft müssen die Bilder, die Farben und die Emotionen, die ich da zusammen trage, noch ein paar Jahre nachreifen, bis sie in meine Entwürfe einfließen.

Ein ganz wichtiges zweites Standbein unserer Firma ist seit rund zehn Jahren die Modeindustrie. Wir richten die Geschäfte der weltweit führenden französischen Modelabels ein und sind in einem engen Kontakt zu den entscheidenden Architekten, um neue Handschriften zusammen zu entwickeln. Diese Partner sind eine starke Inspirationsquelle für mich und ein spannender Austausch.

Die jungen Chinesen beleben den Trend zu klassischen, chinesischen Kulturelementen. Man findet diese in neuen Lifestyle-Produkten in China wieder. Jiangxi ist deine Kollektion, inspiriert von feinem chinesischem Porzellan und gefertigt aus handversponnener, tibetischer Hochlandwolle und chinesischer Seide.

Jiangxi war ein kleiner, zarter Versuch, eine Annäherung an diesen spannenden Kulturkreis. Auch die nächste Kollektion, die ich gerade entwickle, wird extrem von südostasiatischen und chinesischen Motiven inspiriert sein. Man sieht heute viele chinesische Elemente in der Mode. Das ist eine Art revival. Als ich vor zirka 30 Jahren angefangen habe, Teppiche zu verkaufen, da wurden Stücke mit chinesischen Motiven und Designs schon hoch gehandelt. Ich werde das Thema wieder neu auflegen, einmal durchschütteln und neu entwickeln.

Du bist in Bochum geboren und warst schon früh viel in Asien unterwegs.

Ich bin hier in Bochum geboren. Meine Eltern und Großeltern waren Einzelhändler, verkauften in ihrem Fachgeschäft hochwertige neue und antike Teppiche. Ich hatte das Glück, dass mein Vater mich ganz früh auf seinen Geschäftsreisen mitgenommen hat. Er war viel in Iran, in Pakistan, Indien, Nepal und Tibet unterwegs. Außerdem hatten wir häufig Besuch und ich erinnere mich daran, dass bei uns am Abendbrottisch viele interessante Menschen zusammen

kamen und ich gebannt ihren Geschichten aus fernen Ländern gelauscht habe. Das prägt natürlich. Ich hatte quasi von Hause aus Fernweh.

Ursprünglich wolltest du aber nicht in die Fußstapfen treten?

Auf keinen Fall! Ich wollte die Welt kennenlernen. Damals war Techno der neuste Trend und ich habe zusammen mit einer Gruppe von Freunden viele – oft nicht ganz legale – Partys in alten Zechen im Ruhrgebiet veranstaltet. Mit Anfang 20 hat es mich dann nach Indien gezogen und ich habe in Goa große Events organisiert. Als diese Zeit zu Ende war, brauchte ich eine

Pause und bin nach Nepal gegangen. In Kathmandu habe ich zufällig, wenn man das so sagen kann, einen ehemaligen Lieferanten meiner Eltern auf der Straße getroffen. Der hat mir einen Espresso spendiert. Ich hatte kein Geld mehr, wollte aber auf keinen Fall zurück nach Hause. Als der Bekannte mir anbot, für ihn in seinen Manufakturen die Qualitätskontrolle zu übernehmen, war ich sofort dabei und habe angefangen, für ihn zu arbeiten. Später habe

ich seine Fabrik übernommen und so ist das Ganze entstanden.

Du hast eine Marke kreiert in einer Branche, in der es Branding so noch nicht gab. Wann und wie entstand die Marke Jan Kath?

Im Jahre 2000, als ich fast pleite war. Ich produzierte zwar qualitativ hochwertige Teppiche, aber sie unterschieden sich kaum von dem, was andere machten. Also entschied ich mich, radikal alles auf eine Karte zu setzen. Ich gestaltete meine eigenen Designs, ohne zu überlegen, ob sich das verkaufen würde. Ich war mein eigener Kompass und machte nur das, was ich selber schön fand. Dann kratzte ich meine letzte Kohle zusammen und engagierte einen extrem teuren Fotografen. Zusammen sind wir in die Zeche Zollverein nach Essen gegangen und haben Bilder für meinen ersten Katalog gemacht. Die Zeche war damals aber noch nicht Weltkulturerbe, sondern nur eine von vielen Ruinen im Ruhrgebiet und alle hielten mich für verrückt als ich hochwertige Teppiche in so einem verfallenen Umfeld präsentierte. Im Zuge dieses Shootings und in der Planung meine ich verstanden zu haben was Branding bedeutet. Zu Zeiten meines Großvaters und meiner Eltern ging man noch in ein Teppichfachgeschäft und wählte aus einem der vielen schönen Teppiche die man dort fand einen aus. Eine Teppich-Brand, so wie heute, gab es nicht. Wir haben den Namen Jan Kath als Marke etabliert, ein Logo erarbeitet und zu jeder Kollektion ein eigenes Werbekonzept entwickelt.

Du hast einen Hype um den Teppich kreiert.

Ja. Aber meine Triebfeder war nicht Geld, sondern die Freude, etwas Neues zu schaffen. Der Teppich ist für mich ein Medium, mit dem ich mich künstlerisch ausdrücken kann. Ich denke in Pixeln und liebe es, wenn meine Ideen Knoten für Knoten Wirklichkeit werden. Dabei ist es mir wichtig, dass auch die Produktionsbedingungen stimmen. Ich habe lange in Asien gelebt. Deswegen fühle ich mich den Menschen vor Ort besonders verpflichtet und möchte mit ihnen auf Augenhöhe arbeiten, gute Materialien verwenden und die alte Handarbeit fördern –

diese Faktoren bedingen den Preis.


Vielen Dank!



Melanie Marten war für Peter Rabitz vor Ort und führte das Interview.

Bilder: mit freundlicher Genehmigung ©Jan Kath, Melanie Marten


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